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Berlin -> Gambia mit dem Motorrad. Ein Reisebericht.

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Berlin -> Gambia mit dem Motorrad. Ein Reisebericht.

Beitragvon randi » 17.01.2014 13:19

Hallo zusammen,

wollte einfach kurz ein paar Bilder und einen Bericht bereitstellen. Bin jetzt im November von Berlin nach Guinea-Bissau gefahren. Alleine mit einer Yamaha XT 600. Bin anschließend weiter nach Gambia, dort das Motorrad verscherbelt und mit dem Flugzeug zurückgeflogen.

Insgesamt 8500km mit 1000 kleinen Geschichten, Bildern und Eindrücken. Das tollste waren die Menschen unterwegs, je ärmer die Länder, desto liebenswerte die Leute.

Hier ein Bilderlink:

http://www.ipernity.com/doc/128369/album/581647?view=0


Vielleicht dient es ja auch jemandem als Inspiration. War eine sagenhafte Erfahrung.

Insgesamt war es eine echt angenehme Tour, habe mich überall wohlgefühlt. Erst in den arabischen Ländern wie Marokko, West Sahara und Mauretanien, später Schwarzafrika. Die Leute waren großteils freundlich, nur in den größeren Städten waren sie zum Teil nervig weil sie irgendetwas verkaufen wollten. In Schwarzafrika dann, also Sengeal, Gambia und vor allem Guinea-Bissau waren die Leute noch ein Ticken herzlicher dazu, es wurde auch viel gelacht, Fussball gespielt, Musik gemacht, alles war irgendwie farbenfroher als in den etwas rauerern arabischen Ländern. Ihr hört raus, je schwärzer die Leute, desto besser fand ich die Stimmung ;)

Insgesamt waren es 8500 km in 4 Wochen. Nicht ganz einfach war das Durchqueren der Klimazonen. Anfang November in Berln losfahren, das heisst, nach 17h musste ich runter von der AB weil es ohne Sonne einfach zu kalt war. Ich habe zT richtig geschlottert, obwohl ich dicke Winterklamotten anhatte. In Mauretanien dann 2 Wochen später hattes es knapp 40 Grad gehabt. Für alles wollten Klamotten mitgenommen werden, was nicht so ganz einfach war.

Technische Probleme gab es einige. Habe paar Tage vor der Tour den Kettensatz gewechselt, dabei ist der vorderer alte Ritzel-Simmerring offenbar kaputt gegangen. Resultat war, dass ich schon beim ersten Tankstopp hinter Berlin den ersten Ölverlust hatte. Ständig hatte ich etwas Öl verloren, immer wieder aufgekippt bis ich bei LYON das komplette Öl verloren hatte. An der Tankstelle wollte ich Öl prüfen mit dem Resultat, dass da nix mehr zu prüfen war, Ölmessstab hat überhaupt kein Öl mehr angezeigt. Dank ADAC Plus habe ich mich abschleppen lassen (s. Foto). ADAC Plus war eine super Hilfe, haben Transport und Hotel bezahlt und haben mich am nächsten Tag zur Werkstat gebracht. Alles Top. In der Werkstatt haben sie 3h lang mit dem Simmerring improvisiert, weil sie kein Originalersatzteil hatten und Wochenende war. Nach 3h hatten sie eine Improvisationsreparatur gemacht und wollten dafür kein Geld! Hab ihnen trotzdem was gegeben, fands aber erstaunlich wie selbstlos die jungen Mechaniker mir fremden Typen weitergeholfen haben.

In Barcelona musste ich Kupplung machen lassen. In Malaga habe ich den Vergaserflansch auf der Straße gewechselt, weil er Falschluft gezogen hat. Irgendwann in Marokko hatte sie Benzin vom Benzinhahn verloren. In Mauretanien ist mir an der Tankstelle das vollgepackte Motorrad umgekippt, weil der Seitenständer abgebrochen war. Ein maurischer Schweisser hat das 150km später angeschweisst (s Foto). War aber echt schwierig, das Motorrad in der Wüste anzuhalten und abzustellen: Keine Bäume, kein Seitenständer...

Nach jedem Defekt war ich aber irgendwie entspannter und zuversichtlicher, dass die Fahrt weitergeht. Nach dem fast trockengefahrenen Motor in Lyon hatte ich die größte Sorge, später war aber irgendwie klar, dass man für alles eine Lösung findet. Alle 1000 km wurde auch meine innere Einstellung afrikanischer und sorgenfreier. Hatte aber auch die wichtigsten Ersatzteile dabei: Vorder- und Hinterschlauch, Zündkerze, Bowdenzugset, Pannenspray, Panzerband, Glühlampen, sehr starke Schmerztabletten für mich, falls ich einen Unfall abseits der Zivilisation haben sollte. So Dinger, die für Krebspatienten im Endstadium sind. Brauchte ich aber zum Glück nicht.

Gefahren bin ich eigentlich immer von morgens bis abends. Habe morgens üblicherweise 1,5h zwischen Wecker und Losfahren gebraucht, da man halt 10000 kleine Sachen und Beutel und Koffer und Krimskrams zu befestigen hat. Abends Unterkunft gesucht, 1h bevor die Sonne weg ist. Nachts fahren in Afrika ist nicht so empfehlenswert. Da rennen Dromedare, Leute, Hunde, Kühe auf den Straßen rum, dazu Schlaglöcher und Sandverwehungen, in Mauretanien auch Überfallgefahr.

Polizei und Militär hat auch öfters die Hand aufgehalten, aber da war ich schon durch die Tour von Berlin nach Kirgisien abgehärtet (siehe anderer Tourbericht). Habe mich in Afrika oft einfach dumm gestellt (fällt mir ja nicht so schwer ;)) und habe einfach auf deutsch mit denen geredet wenn sie von mir Geld wollten. Kein Afrikaner will länger als 10 Minuten in dieser "hässlichen" Sprache vollgequatscht werden und schickt einen dann meistens weiter. Ein Grenzposten hat nach meinen Stiefeln gefragt, war mehr ein Betteln, oder ein Tshirt wollte er. Hat sich dann über eine Taschenlampe gefreut. Das sind halt echt arme Säue da unten, die hatten zT nichtmal Papier um meine Personaldaten auf den ganzen Grenzposten entlang der Hauptstraßen abzuschreiben.

Hauptstädte Dakar (Senegal) und Banjul (Gambia) war natürlich voll von Typen, die einen übers Ohr hauen wollten oder Sonnenbrillen verkaufen wollten. Im Landesinnere waren die Leute aber angenehm. Am schönsten fand ichs in Guinea-Bissa, die Leute kennen dort das Konzept Tourismus kaum und das bedeutet, dass sie in einem keinen weißen reichen Typen sehen, der gleich Geld bringt. Sondern dort begegnen sie einem total offen, freundlich, herzlich und äußerst repektvoll. Nichtmal in der Hauptstadt Bissau bin ich auch nur ein Mal angebettelt worden. Bin dort auch in den Dschungel gefahren, dort ein paar Urwaldriesen angeschaut und im kleinen Dorf gezeltet. Dort ist auch das Video mit den Kindern entstanden, die fanden es geil mir in die Haare zu fassen, weil die keine blonden Haare kennen. Meine Haut haben die gestreichelt und dran gerochen, weil Weiße wohl irgendwie eine andere Haut haben, wir sind etwas weicher als der typische Schwarze, fanden die Kinder jedenfalls interessant. Ein kleines Mädchen hat sich allerdings vor mir versteckt. Mir wurde erklärt, dass sie Angst vor mir hat, weil ich so weiß sei :D Halt ungewohnt im letzten Winkel des Dschungels.

Zuletzt war ich 4 Tage in Banjul, der Hauptstadt Gambias, von wo mein Rückflug stattfand. Allerdings hatte ich als letzte Prüfung noch das Motorrad zu verkaufen. Ihr könnt Euch vorstellen, das ist nicht ganz so einfach in einem Land, in dem niemanden kennt, mit einem Haufen schwarzafrikanischer Gebrauchtwagenhändern unter Zeitdruck ein gutes Geschäft zu machen. Die erzählen Dir zum Teil halt auch sehr viel wenn der Tag lang ist, also eigentlich genauso wie in Deutschland wenn ichs mir recht überlege :D Habe mit ein paar Duzend verschiedenen "Business Men" gesprochen. Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt, habe einen ordentlichen Käufer gefunden. Auf einem der letzten Bilder stehe ich mit einer Handvoll Zimmerleute ums Motorrad, der zweite von rechts war der stolze neue Motorradbesitzer und Schreinereiinhaber. Verkaufpreis war 800 Euro, in Deutschland hatte ich drei Monate vorher 1000 Euro für die Yamaha gezahlt. Also ein ganz guten Preis bekommen. Das waren dann 40.000 Dalasi, wobei der kleinste Schein 100 Dalasi ist. Das Ergebnis seht ihr mit den Geldbündeln auf dem Tisch: Eine Tüte voll Scheine im Tausch für das Motorrad. Kam mir vor wie ein Bankräuber, war auch das einzige Mal, dass ich Tränengas am Mann geführt habe beim Verkauf. Wenn man bedenkt, dass ein Lehrer dort 80-100 Euro im Monat verdient, sind 800 Euro natürlich ein Haufen Geld für die Leute da unten. Aber nichts passiert, alles friedlich :thumbsup:

Ja das war schon fast die Reise. Letztes Erlebnis war der Rückflug. Er hat 5 Tage gedauert, zwischendurch wieder in Senegal gestrandet. ich gebe Euch nur einen Tip: Fliegt nie, nie, nie mit Senegal Airline. Das war so ein Chaos. Paar Flüge einfach gestrichen, verpasste Anschlussflüge von anderen Airlines konnte dann Senegal Airline nicht bezahlen. Ich stand da am Flughafen kurz vorm Mord weil ich kein Bock mehr auf das Geschwafel von denen hatte. Hat aber auch irgendwie dann funktioniert.

Und das Fazit: Eine Hammer Tour gemacht, das kann mir keiner mehr nehmen. Wer jemals an so eine Tour gedacht hat und sich halbwegs mit der Technik auskennt, sollte es einfach machen. Alles viel weniger gefährlich als uns die Angst das so weismachen möchte. Nur zwei Sachen würde ich im Nachhineinl anders machen: Meiner Freundin würde ich es etwas schonender beibringen, die hatte nämlich echt gelitten. Und statt Flug würde ich für die Rückffahrt wieder das Motorrad nehmen, das ist wesentlich entspannter :D

Rückfragen sehr gerne.
Viele Grüße und noch viele schöne Reisen uns allen...
Rolf
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Re: Berlin -> Gambia mit dem Motorrad. Ein Reisebericht.

Beitragvon René Haas » 17.01.2014 13:44

Hey toller Bericht, danke!!!
Macht gleich wieder Laune mit dem Mopped los zu fahren. Na ja, nächstes mal wieder :)
Gruss René
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Re: Berlin -> Gambia mit dem Motorrad. Ein Reisebericht.

Beitragvon scirius » 15.03.2014 17:42

Heyhou


Danke für den Bericht. Habe auch so ein Trip mit meiner yamaha xtz 660 aus dem 93 (gekauft für 1500 euro) vor. Ich hätte aber gern ein Plan wie ich das Motorrad dort unten wieder losbekomme.
Zurückverschiffen ist wohl finanziell nicht sinnvoll.
Daher wäre ein Verkauf, so wie du es auch gemacht hast wohl die Lösung.

Nur, wie bist du vorgegangen? Hattest du kein Carnet? Oder hast es voll offiziell verkauft mit Zollbüro, Steuern etc.?

Wäre für ne rasche Antwort super dankbar.. ev. geht's am 1. April los.

1000 dank
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Re: Berlin -> Gambia mit dem Motorrad. Ein Reisebericht.

Beitragvon Uwe Schmitz » 15.03.2014 19:17

hallo rolf,
ne super reise, die du da gemacht hast!
und es kommt so richtig schön rüber, was du für einen spass dran hattest (und das es dir auch mal gestunken hat...).
vielen dank für den erfrischenden bericht, er macht appetit
viele grüße
uwe
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Re: Berlin -> Gambia mit dem Motorrad. Ein Reisebericht.

Beitragvon Alexander » 15.03.2014 19:25

Hallo Rolf,

was mich besonders begeistert ist die Tatsache, dass es auch noch andere schöne Länder gibt, die man bereisen kann. Besonders Gambia, wo man eher selten Reiseberichte zum Lesen bekommt.

Vielen Dank dafür.

Grüsse
Alexander
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Re: Berlin -> Gambia mit dem Motorrad. Ein Reisebericht.

Beitragvon gerd-jason » 16.03.2014 21:13

Hallo,
fahre im August mit dem Motorrad Richtung Gambia, dann weiter Richtung Togo. Werde Deutschland im August verlassen.
Bei meiner 2. Tour nach Westafrika habe ich die Rückfahrt ebenfalls mit dem Motorrad gemacht und mein Moped in Gambia untergestellt. Ging ganz easy. Einziger NAchteil bei der Rückfahrt mit dem Motorrad ist, sobald man in Maroc in der nähe des Hohen Atlas ist, kommen einem die gehetzten 7 Tage Maroc Fahrer entgegen. Falls dich der Virus Afrika noch nicht befallen hat: keine Angst kommt noch.

Wünsche allen schöne Touren
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